Das Projekt

Im Erasmus+-Projekt „HS-Tutorials: Praktische Module zur Förderung von Schreibfertigkeiten in Schulen und im Übergang Kita-Schule" sind Vertreterinnen und Vertreter der Praxis, der angewandten Forschung und regionaler Schulverwaltung aus Deutschland, Österreich und Italien beteiligt. Die teilnehmenden Institutionen vereint ein großes Interesse und die Begeisterung für zukunftsfähige Ansätze zur Förderung von Schreibfertigkeiten und sie teilen ähnliche Umstände in den jeweiligen Ländern. Das Projekt läuft von September 2018 bis August 2020.

 

Hintergrund

Der Bedarf an innovativen Methoden zur Förderung von Schreibfertigkeiten ist groß: Trotz flächendeckender Schulpflicht verfügt jeder fünfte Jugendliche und ca. 75 Mio. Erwachsene in Europa über unzureichende Lese- und Schreibfertigkeiten. Das berichtete die Europäische Kommission 2018 und fordert die einzelnen Mitgliedschaften dringend zum Handeln auf. Sie schlägt vor, dass speziell ausgebildete pädagogische Fachkräfte dazu beitragen sollen, Lese- und Schreibschwächen von vornherein zu vermeiden.

Kinder benötigen eine gezielte Unterstützung bei der Entwicklung ihrer Handschrift. Schreibkompetenzen umfassen neben Rechtschreibung und Textkompetenz zuallererst auch die Schlüsselkompetenz, von Hand zu schreiben. Die grundlegende Bedeutung einer gelungenen Entwicklung der Schreibmotorik für den Schrifterwerb darf v. a. während der ersten Jahre nicht verkannt werden. Mit zunehmender motorischer Sicherheit können sich die Lernenden besser auf kognitive Prozesse einlassen. Davon profitieren die Rechtschreibung, Merkfähigkeit und Leseleistung, wie neurowissenschaftliche Studien belegen.

Die schreibmotorischen Voraussetzungen werden bereits im Kita-Alter gelegt. Dabei können sich schlechte Gewohnheiten (z.B. verkrampfte Stifthaltung) einschleifen, die das spätere Schreibenlernen beeinträchtigen. Die 2019 vom Schreibmotorik Institut gemeinsam mit dem Verband Bildung und Erziehung durchgeführte STEP-Studie sowie die bundesweite Lehrerumfrage des Schreibmotorik Instituts und des deutschen Lehrerverbands 2015 belegen, dass 31 Prozent der Mädchen und sogar 51 Prozent der Jungen Schwierigkeiten beim Erwerb der Handschrift haben. Fast zwei Drittel der Lernenden in weiterführenden Schulen können nicht länger als 30 Minuten beschwerdefrei schreiben. Sie sind in ihren Bildungsbemühungen im Nachteil.

Die Fähigkeit, mit der Hand zu schreiben, hat auch in Zeiten der Digitalisierung und den damit einhergehenden Veränderungen eine entscheidende Bedeutung. Sie ist eine wichtige Grundlage für Bildungserfolg. Es geht darum, die Handschrift zu fördern, als auch den richtigen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Beides schließt sich nicht aus. Bedauerlicherweise wird in der Lehreraus- und -fortbildung der Erwerb von Schreibfertigkeiten seit Längerem nicht mehr genügend behandelt. Viele Fachkräfte fühlen sich unzureichend auf das Unterrichten des Handschreibens vorbereitet, insbesondere, wenn es zu Problemen kommt (Legakids-Lehrerumfrage 2010). Auch Pädagen/innen benötigen Unterstützung.

Pädagogische Fachkräfte könnten und würden gern präventiv einschreiten, sie brauchen dafür aber Fortbildungen und praktisches Material. Zudem sollte Schreibdidaktik evidenzbasiert und auf aktuellen Ergebnissen sprach-, neurowissenschaftlicher und motorischer Forschung erfolgen. Eine Interventionsstudie des Schreibmotorik Instituts und der Universität des Saarlandes unter ErstklässlerInnen (2017) zeigte, dass nur eine Stunde wöchentlich mit einer gezielten schreibmotorischen Förderung die Schreibkompetenzen nachweislich positiv beeinflusst.

Ziele

  1. Ziel des Projektes HS-Tutorials ist es zunächst, den Erwerb der Handschrift (HS)  und deren Grundlagen auf europäischer Ebene verstärkt in den Fokus zu rücken. Pädagogen/innen und Entscheidungsträger/innen im Bildungssektor werden für die Relevanz einer guten Handschrift als Schlüsselkompetenz im Hinblick auf Bildungschancen im Allgemeinen und für den Schriftspracherwerb (z.B. Rechtschreibung) im Speziellen, sensibilisiert. Dabei geht es um die Entwicklung von Schreibfertigkeiten generell – unabhängig von der erlernten bzw. ausgewählten Schriftart.

  2. Des Weiteren werden im Projekt innovative, praxiserprobte Online-Tutorials und Handreichungen für Pädagogen/innen zur Förderung von Schreibfertigkeiten in Schulen sowie im Übergang Kita-Grundschule entwickelt. Die darin ausgeführten didaktischen Ansätze tragen dazu bei, die gravierenden Schwierigkeiten beim Erwerb der Handschrift (bzw. den Voraussetzungen dafür) in den beteiligten europäischen Ländern zu reduzieren.

  3. Schließlich werden pädagogische Fachkräfte befähigt, (Vor-)Schülern/innen bei der Entwicklung einer guten Handschrift (bzw. den Voraussetzungen dafür) zu unterstützen und bei Schwierigkeiten gezielt gegenzusteuern. Die im Projekt ausgebildeten Multiplikatoren/innen werden Fortbildungsangebote in den beteiligten Regionen anbieten. Erkenntnisse aus der Forschung zum Handschreiben werden so in die Lehrerfortbildung transferiert und eine innovative Lehre hoher Qualität gefördert.